Die elektronische Patientenakte ist eines der Schlüsselelemente in der Krankheitsindustrie um sowohl die Kosten zu senken als auch die Qualität der Behandlung zu verbessern. Nur wenn Untersuchungen und Befunde klar dokumentiert sind, kann man quantitve Aussagen über Behandlungsmethoden und Kosten machen und daraus sinnvolle Aktionen ableiten. Während z.B. Zahnärzte mit vielen Privatpatienten voll auf IT setzen (nicht aus Nächstenliebe sondern um ihre Kosten zu reduzieren und ihren Profit zu erhöhen) wehren sich viele Ärzte gegen digitale Dokumente im zentralen ärztlichen Bereich. Nur im Bereich der Abrechnung mit den Kassen hat sich die IT durchgesetzt – und da lohnt sich der Einsatz der IT offensichtlich! In USA hat man erkannt, dass eine digitale Patientenakte überwiegend in den Praxen der Ärzte nutzt, weil dort die meisten Leistungen erbracht werden und die Praxen auch am Anfang der Pflegeketten in Kliniken und Pflegeheimn stehen. Eine zentrale Patientenakte, wie sie in Deutschland noch geplant ist, bringt relativ wenig Vorteile, weil viele Befunde der einzelnen Teildisziplinen für andere Ärzte überhaupt nicht interessant sind (und das Studium dieser Befunde auch nicht bezahlt wird). Falls notwendig werden aber Patientendaten ausgetauscht wenn auch meist ineffektiv oder zu spät. Ein Arztbrief aus einer deutschen Klinik erreicht den Hausarzt oft erst wenn die Behandlung längst abgeschlossen oder der Patient verstorben ist.
Die Umstellung von Patientenakten von Papier auf digitale Daten und Dokumente erfordert aber einen recht hohen Aufwand, den zunächst die Ärzte erbringen müssen, ohne dafür schnell einen Vorteil zu erhalten. In USA gibt der Staat für die Umstellung Zuschüsse bis zu 40 000 $ in 5 Jahren. Fortschrittliche Krankenkassen legen dazu nochmal 45 000 $ dazu. Nur mit Investitionen kann man die Struktur im deutschen Krankheitswesen verbessern, um anschließend sparen zu können. Andere Industriezweige haben das längst erkannt – man stelle sich z.B. vor ALDI würde heute noch mit Papierbelegen und Formularen arbeiten. Mit seiner weltweit einmaligen Effizienz in der Bereitstellung von Nahrungsmitteln hat ALDI wohl mehr für die ärmeren Bundesbürger getan als alle Regierungsprogramme. Nur mit Einführung moderner Geschäftsmethoden kann man die Kosten im deutschen Krankenwesen in den Griff bekommen, ohne dass Patienten und Ärzte darunter leiden müssen. Man stelle sich einmal vor wie die Kosten für Medikamente sinken würden, wenn ALDI Medikamente verkaufen würde!
Ein neuer Gesundheitsminister hat in Deutschland nun die Chance, die über die Jahre angesammelten Dogmen und ideologisch gefärbten Projekte über Bord zu werfen und die Gesundheitsindustrie als Industrie und nicht als Mimosengarten für die verschiedenen Lobbygruppen zu behandeln.