Professor Jürg Leithold vom Institut für Quantenelektronik und Photonik am KIT in Karlsruhe hat 2008 einen mit 100 000 € dotierten Forschungspreis des Landes Baden-Württemberg erhalten u.a. für die Entwicklung eines sehr schnellen Bausteins (100 Gigabit/sec) auf Siliziumbasis für die Übertragung von Daten mit Licht. Als informierter ITler versteht man nicht so richtig, wo die ausserordentliche Forschungsleistung liegt, hat doch z.B. das Fraunhofer Institut zusammen mit Fujitsu bereits 2005 einen Schalter mit 640 Gigabit/sec vorgestellt. Offensichtlich wurde der Preis dafür vergeben, dass der Baustein auf Siliziumbasis entwickelt wurde. Dieser Forschungspreis zeigt exemplarisch einige Probleme der IT Anwendungsforschung auf.
- Offensichtlich hat Prof. Leithold nur Zugriff auf die vor Jahren angeschaffte Siliziumtechnologie. Er würde sicher auch gerne mit den neuesten Technologien arbeiten, dafür fehlt aber Geld in der Größenordnung von mindestens 20 Millionen € und eine solide Ausstattung mit technischem Personal.
- Die Höhe des Preisgeldes von 100 000 € ist allenfalls für die Public Relations Abteilung des Forschungsministeriums ein hoher Betrag. Im täglichen Betrieb reicht das Geld nicht einmal für die Anschaffung eines fortschrittlichen Messgeräts.
- Nachdem sich in Deutschland sowohl Siemens als auch Alcatel vom Halbleitermarkt verabschiedet haben, gibt es in Deutschland keine Industrie mehr, die solche Forschungsergebnisse in Produkte umwandeln könnte. Für wen (ausser den Forschern) wird da geforscht? Wenn überhaupt gehen die Forschungsergebnisse dann nahtlos in den Besitz von amerikanischen, japanischen oder süd-koreanischen Firmen über. Universitäten sind in Deutschland besonders stolz, wenn sie Drittmittel aus anderen Ländern einwerben. Ausländische Firmen kaufen sich damit oft deutsche Entwicklungsteams für ganz geringes Geld ein. Das erinnert ein bischen an den in der DDR üblichen Drang zur „Internationalität“.
- Offensichtlich hat Prof. Leithold eine Gruppe von pfiffigen Forschern und Entwicklern um sich geschart, die bei diesem Projekt sicher eine hervorragende Ausbildung erhalten. Wo sollen diese Leute dann aber in Deutschland Arbeit finden, wenn es gar keine einschlägige Industrie mehr gibt?
- In Deutschland wird ganz wenig auf neuen, relevanten Gebieten geforscht. Die vorhandenen Forschungsgebiete, die vor 20 Jahren oder noch länger auch gesellschaftlich relevant waren, werden meist fortgeschrieben – häufig auch dann wenn ein Lehrstuhl neu besetzt wird. Die vorhandenen „asozialen“ Netzwerrke sorgen dafür, dass Bewerber mit neuen Ideen bei der Vergabe von Forschungsgeldern oder Forschungspreisen nicht zu üppig bedacht werden.
- Die Politik vergibt Mittel gemäß der zur Zeit aktuellen „Ideologie“ – wer an einer Exzellenz Uni forscht muss ja auch exzellent sein. Allerdings haben die Exzellenz Universitäten inzwischen auch eigene Markting- und Public Relations Abteilungen aufgebaut, die Politik und Presse informieren und beeinflussen. Dagegen haben es kreative Forscher, die meist an ihren Forschungen arbeiten, zunehmend schwer überhaupt wahrgenommen zu werden.
Die Forscher, die diesmal leer ausgegangen sind, sollten sich trösten. Der Innovationspreis ist eher eine politische Geste als eine wirkliche Unterstützung der Forschung.
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