Beiträge vom März 2009
Während es bei der Einführung der neuen Gesundheitskarte viele Diskussionen gibt, plant die Regierung bereits wieder eine neue Chipkarte als Personlausweis für die Bürger, der in der Öffentlichkeit überraschend wenig diskutiert wird. Der neue Personalasuweis ist ein weiteres Überbleibsel aus der Ära von Schwarz-Rot-Goldfinger Schily, der als Innenminister und späterer Lobbyist der Chipkartenindustrie unausgegorene Chipkartenprojekte gestartet hat, die den Staat und die Bürger viel unnützes Geld kosten. Nun ist es vielleicht sinnvoll einen neuen Personalausweis im Chipkartenformat auszugeben.
All die neuen Zusatzfunktionen, die den Ausweis richtig teuer machen, sind aber ziemlich sinnlos. Ein Polizist wird für die Personenidentifikation wohl eher auf das Druckbild mit hoher Auflösung schauen als mit einem speziellen Lesegerät (das er wohl meist nicht dabei hat) das gespeicherte Bild mit einer Verzögerung von mehreren Sekunden auf einem Mäusekino Display anzusehen. Völlig übersehen wird, dass im täglichen Leben der Personalausweis vorwiegend im Geschäftsleben genutzt wird z.B. bei der Zahlung mit ec Karten. Da der Personalausweis in der EU nicht genormt ist, ist ein digitaler Personalausweis im Ausland auch in USA völlig wertlos. Ebenso ist die vielgerühmte digitale Signatur wenig sinnvoll. Standard PCs haben keinen Chipkartenleser (Mobil Telefone schon gleich gar nicht). Die speziellen Chipkartenleser z.B. für Gesundheitskarte usw sind teuer und unzuverlässig. Das Problem beim Internet Betrug ist meist nicht der Bürger sondern der Händler am anderen Ende der Leitung. Der Internet Betrug wird dabei sogar auf ein höheres Niveau angehoben, weil jetzt Internet Betrüger ihre dubiosen Verträge von den Bürgern digital signieren lassen können. Die Händler, die eine digitale Signatur vom Kunden einholen, sollen ja überprüft und zertifiziert werden. Das ist aber wohl ein Wunschtraum. Ein Großteil der Händler im Web wird sich um die Bemühungen der Bundesregierung wohl nicht kümmern – wer hat schon Interesse daran seinen Kunden den Einkauf zu erschweren und sich zusätzliche Kosten aufzuladen. Die Aussicht mit der digitalen Signatur direkt mit Behörden zu kommunizieren und Anträge auszufüllen ist eine Vision aus der Steinzeit der IT. Im heute üblichen Online Betrieb füllt man keine Formulare mehr aus. Eine digitale Signatur wäre allenfalls sinnvoll als Zugriffsschlüssel zu Online Systemen der Behörde – die es aber heute und wohl auch in naher Zukunft nicht geben wird.
Zum Glück werden sich webweit agierende Unternehmen wie Amazon, Google, Microsoft usw um die deutsche digitale Signatur nicht kümmern, sodass sich für die Benutzer nichts ändert. Für den Personalausweis wird der Bürger aber anstatt wie bisher 8 € wohl mehr als 30 € bezahlen müssen, was aus Sicht der Hersteller und des Lobbyisten Schily natürlich äusserst positiv ist. Vielleicht gibt es aber Abwrackprämien für alte Personalausweise?
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Seit dem Obama Wahlkampf sind inzwischen ja schon einige Monate vergangen und die großen „Volks“parteien CDU und SPD haben noch immer keine Internet Plattform für den Wahlkampf. Horst Seehofer ist wahrscheinlich noch immer stolz auf die Lufthoheit an bayrischen Stammtischen, die unbemerkt von der CSU sich zunehmend leeren, weil die Rentner jetzt daheim von Ausländern gepflegt werden. Die FDP zeigt sich aber mit ihrer neuen Plattform „Mit mach arena FDP“ auf der Höhe der Zeit – sogar Wahlkampfspenden kann man online machen. Offensichtlich macht die FDP aber auch einen Versuch das Fussvolk mit soliden Foren einzubinden. Mal sehen ob die jemand aus dem Vorstand auch liest oder ob sich gar die Führungskräfte ähnlich wie Obama auch inhaltlich an den Foren beteiligen.
Für die FDP ist das ein erheblicher Technologie Sprung. War doch der Ortsverein der FDP meiner Stadt bisher nicht in der Lage einen ordentlich formatierten Rundbrief per eMail zu verschicken. Die FDP tut sich mit dem Web allerdings auch leichter, weil ihre typische Clientel wohl ziemlich Web affin ist. Mal sehen ob und wie die anderen Parteien nachziehen.
Kategorien: IT · Politik · Web 2.0
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Neulich flatterte ein Brief der VG Wort ins Haus, die Interessen der deutschen Autoren und Verlage gegenüber Google im sogenannten „Google Vergleich“ vertreten will – ohne je dafür autorisiert worden zu sein. Google hat bereits 7 Millionen Bücher eingescannt und möchte natürlich auch weiterhin Bücher einscannen. Ursprünglich wollte Google für die Inhalte nichts bezahlen ist dann aber von amerikanischen Verlegern und Autoren auf Copyright Verletzung verklagt worden. Wie in USA üblich strebt man nun einen Vergleich an, wobei die Autoren und Verlage ein minimales Entgelt erhalten sollen. Die Rechtsanwälte in USA erhalten aber vorab schon mal 30 Millionen $. Der Gerichtsstand ist natürlich New York (wie bei den Cross Border Leasing Verträgen), weil in New York auch illegale Verträge rechtlich bindend sind!
Nun werden die meisten Autoren von technischen Büchern – bei IT muss man ja praktisch in Englisch veröffentlichen – nichts dagegen haben, dass speziell vergriffene Bücher im Internet verfügbar gemacht werden. Wenig begeistert sind die Autoren jedoch, dass Google diese Inhalte im Netz verkaufen will (display use). Nach US Recht muss der Autor hierfür explizit seine Zustimmung geben. In Deutschland verschläft die Justiz solche Hightech Themen. Die VG Wort möchte nun diese Zustimmung pauschal für alle deutschen Autoren geben und auch die Abwicklung der Zahlungen von Google an die Autoren übernehmen. Erfahrungsgemäß bleibt dann das Geld bei der VG Wort für die Verwaltung, Spesen usw hängen und die Autoren der technischen Bücher, die ja nicht gerade mit Millionenauflagen verkauft werden, gehen mal wieder leer aus. Viele Bibliotheken werden technische Bücher dann überhaupt nicht mehr ankaufen, da innovative technische Bücher erfahrungsgemäß erst Jahre nach ihrem Erscheinen für das breite technische Publikum interessant werden. Dann wird es aber diese Bücher bei Google im Netz geben.
Eine weitere Minderung der Rechte der technischen Autoren ist die neue Praxis der Verlage „Billigversionen“ für Länder wie Indien und China aufzulegen, für die Autoren keine Entschädigung erhalten – das läuft unter dem Deckmantel Entwicklungshilfe. Eigentlich wäre für technische Autoren der Selbstverlag im Internet die richtige Lösung. Man kann aber davon ausgehen, dass diese Bücher bei Google nicht gefunden werden. Google wird mit der zur Zeit verfolgten Strategie in wenigen Jahren quasi ein Monopol für technische Bücher im Web erhalten. Erst dann wird die EU gegen Google prozessieren und ähnlich wie gegen Microsoft wieder der 2. Sieger sein. Wissen ist Macht – nicht Wissen macht auch nichts!
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Im Zuge des Aktivismus im Umfeld des Amoklaufs in Winnenden schlägt Familienministerin von der Leyen eine Notrufnummer im Netz vor. Da muss man erst mal darauf kommen. Wahrscheinlich müssen die \“Gewalt Melder\“ erst mal bei einem Call Center anrufen und die URL buchstabieren. Oder sollte Frau von der Leyen tatsächlich an eine Web basierendes Missbrauch Meldesystem denken wie es bei sozialen Netzen oder in USA schon seit Jahren üblich ist? Vielleicht sollte sich die Ministerin mal mit ihrer für den Verbraucherschutz zuständige Kollegin zusammen tun und auch die Versäumnisse von Herrn Seehofer beim Verbraucherschutz im Internet korrigieren. Die Polizei einiger Bundesländer wie z.B. Baden Württemberg bietet bereits einen Seite für die Meldung für Straftaten im Netz an und empfiehlt in dringenden Fällen immer das Telefon und die Notrufnummer 110 zu benutzen. Leider hat man es aber nicht geschafft dass der 110 Notruf überall funktioniert. Auch hier zeigt sich mal wieder der auf vielen Feldern unsinnige Föderalismus der Bundesrepublik. Warum kann denn nicht ein Bundesland die zentrale Anlaufstelle im Web anbieten. Es wird sich sicher ein Programmierer finden, der die Anfragen dann an das zuständige Bundesland weiterleitet. Sicher kommt dann ein Vorschlag Bundesland-Grenzen im Web einzuführen.
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Jörg Tauss, ist einer der wenigen Bundestagsabgeordneten, der sich sehr aktiv um neue Medien speziell um Fragen des Internets kümmert. Vom beruflichen Werdegang her, hat er weder Erfahrung im technischen noch im organisatorische IT Umfeld, was man bei Vorträgen und Diskussionen unschwer feststellen konnte. Wie jeder Bundestagsabgeordnete versuchte er sich zu profilieren und hat schnell ein medienwirksames Spezialgebiet gefunden. Ihm ging es aber nicht darum, welche Rolle die IT im wirtschaftlichen Umfeld einnimmt und welche Massnahmen Bund und Länder zur Verbesserung ihrer IT Infrastruktur treffen könnten. Sein Feld war die „Kriminalität“ im Internet, wo er im Windschatten des Chaos Computer Clubs bei vielen Vorträgen als Experte aus dem Bundestag auftrat. Hier erhielt er die Aufmerksamkeit der Medien, die in Deutschland geradezu obsessiv über Kriminalität im Internet berichten, weil offensichtlich die unzähligen Krimis im Fernsehen die Bevölkerung nicht genügend erschrecken. Natürlich muss man die Medien auch füttern und hierfür hat sich Jörg Tauss auch als Bundestagsabgeordneter berechtigterweise im Internet umgesehen. Ob und wie er dabei der Faszination des Bösen erlegen ist, müssen Jörg Tauss und die Gerichte klären. Als Experte für neue Medien wird er wohl aber nicht mehr auftreten können.
Der Fall Tauss zeigt aber exemplarisch, dass es für Bürger äusserst schwierig ist, mit Kriminalität auch im Internet umzugehen. Es gibt in Deutschland keine einfache Möglichkeit, kriminelle Handlungen an einer zentralen Stelle zu melden. Die lokale Polizeiwache wie empfohlen ist wohl kein sehr geeigneter Ansprechpartner für Kriminalität im Internet.
Hat sich z.B. ein Benutzer einen aggressiven Bot-Virus eingefangen, sollte er dies möglichst melden und keine Beweise vernichten. Er begeht aber eventuell eine Straftat, wenn er den Virus nicht schnellstmöglichst löscht. Meldet er einen Abzocker in einem Internet Forum, wird er eventuell wegen Geschäftsschädigung verklagt usw. Spezialisten, die mit Viren Tools umgehen, um Gefährdungen zu erkennen, werden kriminalisiert. Wobei solche Tools in den Händen von verantwortungsvollen Entwicklern nicht gefährlicher sind als ein Kochmesser in der Küche. Die Polizei ist aber, anders als im Fall Tauss behauptet, auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Genauso wie im richtigen Leben – sonst könnte man den Polizeinotruf ja abschaffen! Benötigt wird ein zentrales Meldezentrum für Computer Kriminalität ähnlich dem Internet Fraud Information Center in USA . Dort kann man sich auch über Finanzbetrüger im Internet beschweren. Leider geht die amerikanische Justiz erst jetzt den alten Hinweisen nach – die ersten Verfahren laufen bereits, während man in Deutschland versucht mit der „Drei Affen“ Strategie über den Wahltermin zu kommen.
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US Präsident Barack Obama hat den erst 34 Jahre alten Vivek Kundra zum ersten Chief Information Officer der USA ernannt. Obwohl Obama ja auch genügend Probleme mit der Finanzkrise und seinen alten Industriesegmenten hat, findet er und sein Stab offensichtlich noch etwas Zeit, um über die Zukunft des Landes nachzudenken. Der neue CIO der USA hat als Ziel nicht nur mit der IT der privaten Firmen gleichzuziehen sondern will mit dem Vorurtil aufräumen, dass staatliche IT immer der privaten IT nachhinkt. Das ist zumindest ein hehres Ziel. Typisch ist auch, dass Obama einen ausgewiesenen Fachmann für den Posten benennt, während in Deutschland natürlich irgend ein gerade verfügbarer Staatssekretär die Aufgabe, den Staat effizienter zu machen, so nebenher miterledigen soll.
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