Jedem Smartcard Praktiker war immer klar, dass die PIN Strategie der Gesundheitskarte nie funktionieren wird. Die Benutzer können sich mit Ach und Krach eine vierstellige PIN für ihre Bankkarte merken. Dies auch nur weil sie die Karte häufig benutzen und man heute ohne Bankkarte und PIN nur am Bankschalter unter Murren der Bankangestellten an Bargeld kommen kann. Ein grosser Teil der Bevölkerung wird wohl die Gesundheitskarte nur selten einsetzen und wird sich den PIN mit sechs Stellen wohl nicht merken oder im fortgeschrittenen Alter oder im Notfall nicht eingeben können. Beim Gesundheitskarten Feldversuch in Schleswig-Holstein hatten 75% der Patienten ihren PIN vergessen! Um das Projekt zu retten haben die Verantwortlichen vorgeschlagen, dass der Arzt stellvertretend die PIN des Patienten verwaltet und für ihn eingibt. Der Patient muss wohl dann immer zum gleichen Arzt. Kommt der Vorschlag eventuell aus dem Gesundheitsministerium, um das umstrittene Hausarztmodell mit Technik durchzusetzen? Interessanterweise findet dieser unsinnige Vorschlag sogar die Unterstützung der Datenschützer. Leider funktioniert auch dieser Vorschlag nicht, da auch 30 % der Ärzte ihren PIN für ihren Ärzteausweis, den man zum Auslesen der Patientenkarte benötigt, vergessen haben.
Die Apotheker schlagen auch Alarm, da sie jedesmal beim Auslesen einer Rezepts nicht nur ihren Ausweis in den Leser stecken sondern auch ihren sechsstelligen PIN eingeben müssen. Hier schlägt man die Benutzung eines RFID Tags anstatt der PIN vor, dass sich der Apotheker an die Kleidung heften soll. Wahrscheinlich wird dann ein RFID Tag in der Apotheke gleich an den Leser geklebt, damit der Betrieb reibungslos läuft. Das ganze Projekt Gesundheitskarte wird dadurch immer kafkaesker.
Am Grossprojekt Gesundheitskarte ist ähnlich wie beim Finanzsystem eine gruppendynamische Automatik zu beobachten. Obwohl eigentlich jeder der Beteiligten weiss, dass das System unsinnig ist, scheuen sich alle Beteiligten die Wahrheit auszusprechen – des Kaisers neue Kleider lassen grüßen. Schliesslich hängt der eigene Job vom Fortgang des Projekts ab. Mit der Gründung der Firma gematik für das Projektmanagement der Gesundheitskarte hat man dieses Problem auch noch institutionalisiert. Alle Beteiligten wollen es sich mit ihren Kollegen und Projektpartnern nicht verderben und dann ins Abseits gestellt werden. Für Politiker bedeutet jede Einsicht Niederlage und Machtverlust. Vorschläge von aussen werden weder diskutiert noch akzeptiert. Zumindest gibt es eine weitere Gemeinsamkeit mit dem Finanzdesaster – am Ende müssen wir Bürger die Zeche zahlen!
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Gesundheitskarte – Slowenien macht’s richtig! « IT Politik // Mai 13, 2009 um 6:09 |
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