Im journalistischen Sommerloch bekommt der Datenschutz etwas Aufmerksamkeit, weil ein paar Journalisten auf den schon seit Jahrzehnten üblichen Verkauf von Privatdaten gestossen sind. Der Kauf und Verkauf von Privatdaten war auch schon vor dem Internetzeitalter eine wesentliche Grundlage der Werbewirtschaft. Nun tut man so, als ob der florierende Adressenhandel in Deutschland völlig überraschend entdeckt wurde. Ganz früher wurden kleine geprägte Adresskarten (ähnlich Kredikarten) für das Bedrucken von Briefumschlägen, dann Magnetbänder und jetzt eben CDs mit Adressen verkauft. Adressen von gut betuchten Kunden wie z.B. Ärzten brachten leicht eine DM pro Adresse. Da sind die jetzt gehandelten Adressen durch den technologischen Fotschritt deutlich billiger! Oder sind die Ärzte jetzt nicht mehr so gut betucht?
Persönliche Daten wie Namen, Adresse, Telefonnummer, eMail Adresse, Kontonummer waren und sind vielen Unternehmen und Behörden bekannt und damit nicht geheim. Man kann kaum nachweisen, wer die persönlichen Daten weitergegeben hat. Das Konzept des Datenschutzes mit Datenschutzbeauftragten, die immer mal wieder warnend ihre Stimmer erheben, aber keinerlei Weisungsbefugnisse für Behörden oder Unternehmen haben, kann man wohl als gescheitert betrachten. Die Regeln zum Datenschutz sind so lax, dass unberechtige Weitergabe von Daten praktisch nie geahndet werden kann. Der nachlässige Besitzer der Daten (auch Behörden) wird bei Datenklau praktisch nie belangt. Würde man z.B. regeln, dass bei missbräuchlicher Nuztung der neuen Steuer Identifikationsnummer der zuständige Finanzminister entlassen wird und alle Pensionsansprüche verliert, würde diese Identifikationsnummer wohl nie eingeführt werden.
Die einzig wirksame Methode wäre wohl, dass der Bürger gegen missbräuchliche Nutzung seiner Daten klagen kann und eine minimale Entschädigung von z.B. 100 € von der Firma oder der Behörde erhält, die seine Daten widerrechtlich nutzt. Jeder Werbebrief, eMail oder Telefonanruf müsste eine eindeutige Absenderidentifikationsnummer enthalten (da wäre die Steueridentifikationsnummer sehr praktisch!), mit der man die explizite Zustimmung des Bürgers überprüfen kann. Damit hätten auch die vielen Juristen in Deutschland, die sich zur Zeit mit Abmahnungen im Internet und anderen sinnlosen Klagen beschäftigen oder arbeitslos sind, eine vernünftige und lohnende Beschäftigung.
2 Antworten bis hierher ↓
bravo56 // August 21, 2008 um 10:27 |
Das Datenschutzthema ist eigentlich längst überfällig. Ich hoffe, dass es auch das Sommerloch überlegt. Die reflexhaften Äußerungen einiger Politiker lassen mich aber daran zweifeln, dass da ein Denkprozess in Gang gesetzt wird.
Wenn es bei den jetzt öffentlich gewordenen Fällen nur um reinen Adresshandel ginge, wäre die Aufregung nicht gerechtfertigt. Es geht aber um den sträflich laxen Umgang mit höchst sensiblen Daten wie bei der DAK, die zig- tausende Versichertendaten einfach mal so an ein Call-Center weiter gibt. Und es geht um den kriminellen Handel mit Daten, wie im Fall der NKL-Daten, wo Kundendaten mit Bankverbindung zu dubiosen Subjekten verschoben worden sind, die sich dann mit Hilfe der Bankdaten bereichert haben.
Das hat alles eine ganz andere Qualität als der Adresshandel zu werbezwecken. Und genau darin steckt auch der Skandal.
portaleco // August 21, 2008 um 12:08 |
Richtig, die Weitergabe wirklich privater Daten (also nicht nur Adressen und Telefonnummern) muss durch hohe Bußgelder sowohl für die abgebende als auch die aufnehmende Firma auf Antrag der betroffenen Bürger bestraft werden. Dann würde die DAK die Krankendaten sicher nicht weitergeben. Speziell bei der heute üblichen Fragmentieren der Verantwortung durch eigene und fremde Subunternehmen sind Verantwortliche für die Daten nicht mehr zu eindeutig zu identifizieren. Ohne Verantwortung kann es keinen Datenschutz geben. Bei großen US Firmen gibt es den Chief Privacy Officer (http://findarticles.com/p/articles/mi_m0EIN/is_2001_Jan_22/ai_69370636), der für die Daten persönlich zuständig und auch vor Gericht verantwortlich gemacht werden kann. Ob das viel hilft weiss man noch nicht, es ist aber zumindest ein Anfang.