IT Politik

Beiträge vom Juni 2008

Die Gesundheitskarte ist krank

Juni 30, 2008 · 1 Kommentar

Nachdem die Feldversuche mit der elektronischen Gesundheitskarte grandios gescheitert sind, vermisst man Einsicht und den Willen, Alternativen zu untersuchen. Herr Prof. Rienhoff hat schon Recht, wenn er feststellt, dass das Konzept der elektronischen Gesundheitskarte aus der Vor-Internet IT Steinzeit stammt und in etwa der im Projekt DIABCARD 1994 verwendeten Karte entspricht – er muss es wissen, er hat ja damals im Gegensatz zu den jüngeren Gesundheitskartlern schon mitgemacht und wie dieser Blogger Erfahrungen gesammelt. 

Um zu zeigen, dass man wirklich nichts dazu gelernt hat, wird eine neue Karte ELENA kreiert, bei der die gleichen Probleme wie bei der Gesundheitskarte wieder auftreten. Laut Pressemitteilung soll mit ELENA die Innovationsfähigkeit der Bundesregierung gezeigt werden! Kann es noch schlimmer kommen?

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Das Elend mit ELENA

Juni 30, 2008 · 2 Kommentare

Werden in Betrieben neue IT gestützte Verfahren eingeführt, so werden auch die Organisation und die Arbeitsabläufe überprüft und optimiert. Beim eGovernment werden meist aber nur die bestehenden krausen Verfahren der Behörden  “digitalisiert“. Dadurch verursacht man in der Regel nur zusätzliche Kosten, wenn man nicht alle Fälle erfassen kann und ein Rest weiterhin mit Papierformularen erledigt werden muss.  Beim elektronischen Einkommensnachweis  ELENA sollen 8 von 45 gesetzlich geregelten Einkommensnachweisen über das Netz automatisch verschickt werden. Das ist wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein – was macht denn die Industrie und die Verwaltung mit den restlichen 37 Nachweisen? Die Annahme, dass Einkommensnachweise heute mit Papier an die Rentenversicherung geschickt werden ist zumindest für Großbetriebe nicht richtig. Das läuft schon seit Jahren über das Netz. Interessant ist, dass die Arbeitnehmer mal wieder für die Kosten aufkommen sollen für eine Funktion, die 95% der Beschäftigten gar nicht brauchen. Wer in Lohn und Brot bei einem Unternehmen steht, braucht in der Regel nicht aufs Sozialamt zu gehen – auch Kindergeld wird nicht allzu oft ausgezahlt. Nimmt die Bundesregierung eventuell an, dass in Zukunft der Großteil der Beschäftigten auf Zuschüsse vom Sozialamt angewiesen ist? Allein die Verwaltung der digitalen Signatur erfordert erheblichen Aufwand bei den Benutzern und den Behörden, vor dem bisher die Behörden kapituliert haben. Haben Sie jemals eine digital signierte eMail von einer Behörde erhalten? Allein folgende technische Fragen sind verbindlich zu klären:

  1. Was passiert bei PIN vergessen, Karte gesperrt durch falsche PIN Eingabe, Karte verlegt, Karte gestohlen, Karte funktioniert nicht, Karte veraltet usw 
  2. Dürfen Behördenmitarbeiter ohne Digitale Signaturkarte für Behördenmitarbeiter überhaupt die Daten abrufen? Was kostet die Verwaltung der Berechtigungen und der digitalen Signatur bei den Behörden. 
  3. Dürfen Behörden die abgerufenen Daten an andere Behörden weitergeben, bei denen keine Digitale Signatur zur Datensicherung verwendet wird?
  4. Wie lange ist die Erlaubnis zum Datenzugriff gültig? Was passiert wenn die Erlaubnis verfallen ist? Kann der Bürger die Erlaubnis wiederrufen und wenn ja wie? 
  5. Muss der Bürger für jede Art des Zugriffs z.B. Elterngeld, ALG 2 usw eine neue Erlaubnis geben? 
  6. Bezahlen die Arbeitgeber die Ausfallzeiten wenn ein Mitarbeiter während der Arbeitszeit aus Amt muss um seine digitale Signatur abzugeben? Wie lange müssen die Bürger auf dem Amt warten?
  7. Verfällt die Erlaubnis zum Zugriff mit Verfall der digitalen Signatur?

Allein die Klärung dieser Fragen wird viele Ausschüsse jahrelang beschäftigen und erhebliche Kosten verursachen.  Zusätzlich muss auch eine verlässliche Hardware- und Softwareinfrastruktur bei allen Behörden installiert und gewartet werden. Hier wittert die BITKOM natürlich wieder Chancen für unsinnige Geschäfte, die letzendlich die Bürger teuer bezahlen müssen. Vielleicht sollte die BITKOM mal versuchen die Unternehmen aufzuforden, Produkte zu entwickeln, die die Bürger freiwillig kaufen!

Die Behörden sollten bei Antragstellung auf Sozialleistungen einfach die Zustimmung zum Datenzugriff per Unterschrift verlangen und dem Bürger eine Kopie mit der Unterschrift des Sachbearbeiters mitgeben. Wahrscheinlich muss man die Signatur ja auch per Unterschrift beantragen oder braucht man dazu eine weitere Chipkarte?

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eGovernment Deutschland – Österreich 0:1

Juni 20, 2008 · 2 Kommentare

Zur Zeit machen auffällig viele Politiker Dienstreisen zur Fußball EM nach Österreich. Üblich sollte es seine solche Reisen wenigstens durch einen dienstlichen Anlass zu kaschieren. Hier kann man empfehlen, doch einmal die eGovernment Organisation in Österreich zu studieren. Anstatt einen „Mass Up“ wie in Deutschland, bei dem Bund, Länder und Gemeinden völlig unkoordiniert vor sich hin wursteln und überall suboptimale Ergebnisse erzielen (kleine Ausnahme Bayern), hat Österreich in den letzten Jahren seine IT Struktur reorganisiert und standardisiert.  In einer nicht ganz uneigennützigen Studie  von Cap Gemini Ernst & Young werden Österreich die größten Fortschritte bei eGovernment attestiert. Für die Bürger wird der Umgang mit den Behörden dadurch aber nicht unbedingt leichter. Die geplante Einführung einer Bürgersignaturkarte, um das staatliche Smartcard-Unternehmen zu unterstützen, wird die Benutzung der Dienste sicher nicht vereinfachen. Ähnlichkeiten mit der deutschen Gesundheitskarte sind rein zufällig.

Da es bis zum EM Endspiel nicht mehr lange hin ist, bleibt nicht viel Zeit für eGovernment Informationsreisen. Beim Besuch der Olympischen Spiele in Peking könnte man sich aber über die Pläne für das eGovernment Portal in Indien für 1 Milliarde Einwohner informieren, das mit der ursprünglich in Deutschland entwickelten IBM WebSphere Portal Technologie aufgebaut werden soll.   

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Die elektronische Gesundheitsakte in USA

Juni 19, 2008 · Kommentar schreiben

Die elektronische Krankenakte ist in den Praxen der jüngeren Ärzte in Deutschland schon längst Realität. In modernen Systemen ist die Krankenakte in ein fachspezifisches  System mit Kontaktdaten der Patienten, Behandlungsplänen, Belegungsplänen, Mitarbeiter Steuerung, Material Beschaffung usw integriert. Ein zentrales „Datengrab“ wie es in Deutschland geplant wird, ist wenig hilfreich. USA ist keinesfalls mit der breiten Einführung der elektronischen Krankenakte weit voraus. Eine groß angelegte Studie in New England zeigt, dass nur etwa 20% der Ärzte Elektronische Karankenakten führen und damit auch effizienter und mit besserer Qualität arbeiten können. Wirtschaftliche Vorteile aus der elektronischen Krankenakte können vor allem große Organisationen nutzen, die einen großen Anteil der Wertschöpfungskette besetzen. Die Einführung und Nutzung der elektronischen Krankenakte in kleinen Praxen ist aber zu teuer und rechnet sich wirtschaftlich nicht. Allein das Einscannen und Klassifizieren der Altdaten verursacht hohe Kosten von > 30 000 $ pro Praxis mit negativen Nebenwirkungen auf den Praxisbetrieb. Es ist aber offensichtlich, dass die Einführung eines zentralen Archivs für Krankenakten, wie es in Deutschland geplant ist, wirtschaftlich und auch zur Verbesserung der Versorgung ziemlich sinnlos ist. Der Wert von Krankendaten einer medizinischen Disziplin z.B. Orthopädie für eine andere z.B Innere Medizin ist sehr begrenzt. Häufig verstehen die Spezialisten die Fachsprache der anderen Fraktion gar nicht mehr. Deshalb sind Arztbriefe notwendig, die der Kollege in der anderen Fraktion auch verstehen kannn. Ein Archiv in dem die Akten der verschiedenen Disziplinen abgelegt werden macht wenig Sinn. Was gebraucht wird sind patientenorientierte „Workflow“ Systeme. Das übliche Argument „mit dem Archiv fangen wir an – die richtigen Anwendungen kommen dann automatisch“ hat noch nie funktioniert. Zuerst müssen die Anwendungen kommen – so macht es z.B. Sinn auch keinen Sinn eMail Archive einzuführen bevor es eMail gibt.   

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Fernsehsendungen nur 7 Tage im Internet?

Juni 16, 2008 · Kommentar schreiben

Der nächste politische Hirnriß ist schon unterwegs. Man will den öffentlich, rechtlichen Fernsehanstalten dazu zwingen, ihre Sendungen nur bis zu 7 Tage nach der Sendung im Web zu zeigen. Obwohl es sicher Sendungen gibt, die man bereits vor der Sendung vernichten sollte, ist das wohl ein ziemlicher Schildbürgerstreich um private Informationsanbieter zu schützen. Na ja, Google wird’s schon richten und die Sendungen für einige Jahre cachen. Allerdings sollte man den öffentlich rechtlichen Sendeanstalten verbieten, Werbung auf den Archiv Seiten zu machen. Das sollte auch für die Werbung für eigene Sendungen einschließen, die jetzt bereits zu einer Plage auf den öffentlich rechtlichen Kanälen geworden sind. 

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