IT Politik

Beiträge vom Mai 2008

Der wahre Siemens Skandal

Mai 27, 2008 · 1 Kommentar

Im Moment fällt die Presse und die Öffentlichkeit über die Siemens Manager her, weil sie über eine Milliarde Schmiergelder nach 1998 ausgegeben haben (vorher war das ja erlaubt und steuerlich absetzbar). Das eigentliche Problem liegt aber tiefer. Das Siemens Management war jahrzehntelang weltweit im Geschäft mit Regierungen und Behörden aller Art (Post, Bahn, Behörden, Medizin, Wehrtechnik … ) und hat die dort üblichen Methoden der politischen Beeinflussung und Bestechung als Vertriebskonzept verinnerlicht. Heinrich von Pierer ist ein typischer Vertreter der alten Art – eine Journalistin der Stuttgarter Zeitung beschreibt ihn sehr charakteristisch als knöchernen Bürokraten ohne jegliche typischen Führungseigenschaften, der seine Lehrzeit im Vertrieb mit der persischen Regierung verbracht hat!  Ähnlich wie Helmut Kohl in der Politik hat es Heinrich von Pierer mit viel Hintergrundwissen geschafft, ein Beziehungsgeflecht mit vielfachen dubiosen Abhängigkeiten zu schaffen und zum „König“ der deutschen Wirtschaftsführer aufzusteigen. Schaut man sich aber die Resultate seiner Führung an, so hat Siemens seit seiner Amtsübernahme 1992 permanent schlechtere Ergebnisse als die Unternehmen im DAX abgeliefert und war bei jeder Phase des Niedergangs der deutschen Kommunikationstechnik – Mobilfunk, Internet, Computer- und Halbleiterindustrie – immer aktiv beteiligt. Etwa 30 000 Mitarbeiter mussten in seiner Regierungszeit die Firma verlassen. Zur Zeit steht ja die Halbleitersparte zur „Sanierung“ an. Siemens hat es auch nicht geschafft, ein einziges neues Geschäftsfeld wie z.B. Bosch erfolgreich zu etablieren.  

Das Siemens Management hat eine „geradeaus“ Managementkultur entwickelt, die unfähig ist auf Änderungen im Geschäftsumfeld schnell und angemessen zu reagieren. Folgerichtig konnte auch auf das Verbot der Bestechung in 1998 nicht angemessen reagiert werden. Der eigentliche Skandal ist aber, dass die deutsche Politik und auch die Presse jahrelang „mitgespielt“ hat um das deutsche Vorzeigeunternehmen Siemens zu stärken. Herr Stoiber wollte sich für Siemens sogar vom Bahnhof zum Flughafen „beamen“ lassen!  

Wenn der „Siemens Skandal“ dazu beiträgt, dass Wirtschaftsführer und Firmen kritisch beurteilt und alte Beziehungsgeflechte gebrochen werden, so sind die Milliarden wohl besser ausgegeben als bei den Bankskandalen. Dem neuen Siemens Management ist zu wünschen, dass es mit einer Operation „Herakles„ einen Neuanfang findet und vielleicht nicht nur bei den kleinen Angestellten aufräumt.  Das schwierigste wird aber wohl sein, die alte Werner-von-Siemens-Ethik mit Vorsprung durch Technik wieder in der Firma zu etablieren.   

Kategorien: Historie · Politik
Mit Tag(s) versehen: , , , ,

Google Service für Patientendaten

Mai 20, 2008 · 1 Kommentar

Nach Microsoft und vielen anderen kleinen Firmen bietet Google jetzt offiziell in USA einen Webservice für Patientendaten. Interessant ist dabei, dass der Patient entscheidet welche Daten über ihn abgespeichert werden und wer diese Daten bekommt. Beim deutschen Projekt Gesundheitskarte hat der Patient nicht einmal Online Einsicht in seine eigenen Daten – diese muss er sich von einem Arzt zeigen lassen (da werden AOK Patienten wohl Probleme mit der Pauschale bekommen!). In Deutschland bekommen die meisten Patienten ja nicht einmal die Rechung in Schwarz auf Weiß.  Natürlich sind auch die Amerikaner nicht begeistert, ihre Daten bei einem kommerziellen Anbieter wie Google abzuspeichern. Andererseits macht ein solcher Service nur Sinn, wenn er standrdisiert und auch von möglichst vielen Ärzten und Organisationen akzeptiert wird. Egal wie dieser Wettbewerb ausgeht – ein Verlierer steht schon fest: das deutsche Gesundheitskarten System!

Für Leute, die viel im Ausland unterwegs sind, ist ein international akzeptierter Standard z.B. für medizinische Notfalldaten sicher interessant.

Kategorien: Politik · Software
Mit Tag(s) versehen: , , , ,

Ingenieurmangel auch in Japan

Mai 19, 2008 · Kommentar schreiben

So langsam erreicht der Mangel an Ingenieuren auch Japan. Hauptgründe für den mangelnden Ingenieurnachwuchs sind wie in Deutschland niedrige Geburtenrate und der „Easy Going“ Effekt – Studenten sind nicht mehr gewillt das harte Studium in den Ingenieurwissenschaften auf sich zu nehmen, um dann in einer großen Firma gegen geringe Bezahlung lang und viel zu arbeiten. Als „Manager“ oder als Banker kann man offensichtlich das Geld viel leichter verdienen. In USA begann diese Entwicklung schon vor 30 Jahren. Die USA hat das Problem aber durch Immigration gelöst. Im Moment arbeiten in USA 7.9 Millionen ausländische Ingenieure. In Deutschland und Japan funktionert das aber offensichtlich nicht, da das weltweite Angebot an Ingenieuren mit deutsch oder japanischen Sprachkenntnissen doch sehr limitert ist. Bleibt eigentlich nur der Weg des Exports der Entwicklungsaufgaben nach Indien oder China, wo viele soziale Aufsteiger noch gewillt sind, den Aufstieg im Ingenieurberuf zu versuchen.

Das sieht man z.B. Kleinigkeiten. Das Buch Pervasive Computing erschien ursprünglich 2001 in Deutsch wurde praktisch aber nicht verkauft. Der spezielle Billigdruck für Studenten in Indien erlebt dagegen gerade die zweite Neuauflage. Die meisten deutschen Studenten können jedoch mit ihren mangelhaften Englisch Kenntnissen die meisten englischen Fachbücher nicht lesen.     

Kategorien: Allgemeines