IT Politik

Aus der Banken-IT Geschichte lernen?

April 14, 2008 · Kommentar schreiben

IT Entwickler und Manager beziehen heute den Großteil ihrer Informationen aus dem Internet. Dabei gehen aber viele Informationen aus dem „Vor“-Web Zeitalter verloren. Seniormitarbeiter des IBM Entwicklungslabors Böblingen haben unter der organisatorischen Leitung des Laborgründers Prof. Karl Ganzhorn eine Buchreihe „Forschung und Entwicklung in der IBM Deutschland“ mit Beiträgen zur Hardware-, Software- und Service-Entwicklung im IBM Labor aufgelegt, die nicht nur die technische Entwicklung sondern auch die menschlichen und organisatorischen Hintergründe der Technologieentwicklung aufzeigen. Die Bände sind über das Haus zur Geschichte der IBM Datenverarbeitung erhältlich.

Im Band 6. IBM Informationstechnik für Banken und Sparkassen im 20. Jahrhundert findet sich das von E. Schabacker verfasste Kapitel 14 – Ordnungsprozesse in der deutschen Kreditwirtschaft. Hochaktuell wird darin beschrieben wie die Bankenkrise 1931 verursacht wurde – die Banken haben in großem Stil kurzfristige Gelder vorwiegend aus dem Ausland für langfristige Kredite verwendet. Als die kurzfristigen Kredite ausblieben  ( Black Tuesday 1929 in USA) und teurer wurden brach das ganze Kartenhaus zusammen. Die Parallelen zur heutigen Bankenkrise, die durch faule Hypothekenkredite in USA ausgelöst wurde sind frappierend aber hoffentlich nicht so gravierend in der Auswirkung damals. Auch heute wurde mit kurzfristigem Geld eine langfristige Kugel gerollt. E. Schabacker beschreibt die verschiedenen Kontrollmechanismen die im deutschen Bankengewerbe vor allem mit Hilfe der IT eingeführt wurden, um solche Krisen zu vermeiden.

Ergänzt man diese Informationen mit den Mechanismen, die Banken benutzt haben, um diese Kontrollen vor allem mit Gründung von Subunternhmen im Ausland zu umgehen, so kann man direkt Handlungsanweisungen an die Bankenaufsicht ableiten. Die Banker haben durch immer neue „Produkte“ die Banken IT, die immer sehr konservativ war, abgehängt. Viele Institute haben dadurch überhaupt keine Kontrolle mehr über ihre Verbindlichkeiten gehabt, wenn auch nicht überall ein Schaden von 35 Milliarden € wie bei der Société Générale entstanden ist.  

Die schnelle Entwicklung und der Einsatz flexibler Bankensoftware muss deshalb ein wesentlicher Teil der Strategie zur Kontrolle des Bankensektors und zur Wiederherstellung des Vertrauens sein. Die Besetzung der Aufsichtsräte durch „sachkundige“ Politiker wird da wohl weit weniger effektiv sein. Ob da wohl die Weichen in Politik und im Bankensektor schon richtig gestellt sind?     

Kategorien: Historie · Politik · Software
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