Beiträge vom April 2008
Auf fast jeder offiziellen Veranstaltung zum eGovernment wird über das Desinteresse der Bürger geklagt. Vergleicht man aber zum Beispiel das Stadtportal von Miami mit dem Stadtportal von München sieht man, sofort dass das Miami Stadtportal primär die Dienstleistungen der Stadt für die verschiedenen Benutzer anbietet während das Stadtportal München sehr viele externe Dienstleistungen und nur wenige Dienstleistungen der Stadt anbietet. Beide Ansätze sind sicher vernünftig und zeigen, dass Deutschland keineswegs beim eGovernment meilenweit zurück liegt. Beide Portale verwenden übrigens die ursprünglich in Deutschland entwickelte IBM WebSphere Portal Plattform. Was allerdings in Deutschland auffällt, dass erfolgreiche Modelle wie z.B. München von anderen Städten nicht beachtet werden. Jede Stadt entwickelt eine eigene Idee wie ein Stadtportal aussehen sollte (siehe Berlin, Frankfurt, Hamburg, Stuttgart, Friedrichshafen ). Der Besucher einer fremden Stadt aber auch die Bürger, können sich nicht darauf verlassen einen minimalen, standardisierten Satz von Funktionen im jeweiligen Stadtportal vorzufinden. Darum werden die Services auch nicht genutzt. Kein Stadtportal in Deutschland hat innovative Funktionen, speziell im mobilen Bereich für die Bürger wie z.B. Oyster Card in London oder Quick Response Code Services mit dem Handy für Stadtinfo, Fahrpläne, Taxi, Anzeigetafeln usw wie z.B. in Japan.
Die Web 2.0 Portaltechnologie mit Mash Ups bietet sich direkt an, Synergien zu nutzen. Warum muss ein Bürgerservice in Deutschland 200 mal neu entwickelt werden – warum können die Städte nicht zusammenarbeiten? Das hat wahrscheinlich drei Gründe: 1. Die Bürger klagen ihren Anspruch auf zeitgemäße Dienstleistungen der Städte nicht vehement genug ein 2. Die Städte haben offensichtlich noch immer zu viel Geld und können sich „Not invented here“ Individualismus leisten 3. IT Infrastruktur wird in Deutschland nicht als die #1 Zukunfsttechnologie behandelt. Man ist schon zufrieden wenn die politische Führungselite eine SMS verschicken kann.
Kategorien: Allgemein · Politik · Software · Web 2.0
Mit Tag(s) versehen: Handy, Portal, Stdat, Zusammenarbeit
Nachdem Hillary Clinton die Vorwahlen in Pennsylvania gegen Barrack Obama gewonnen hat, spielt das Geld, das man für die Finanzierung der jeweiligen Wahlkampagnen einsetzen kann, nun eine Schlüsselrolle. Da in den USA die maximale Wahlspende pro Wähler limitiert ist, kommt es darauf an, möglichst viele Unterstützer (und nicht wie früher möglichst genügend Reiche) zu gewinnen. Hier hat Barrack Obama mit seiner Internetkampagne früh auf die Internettechnologie gesetzt und mit 42 M$ doppelt so viele Spenden eingesammelt wie Hillary Clinton. Hillary Clinton versucht nun mit einer ähnlichen Kampagne aufzuholen. Jedoch gilt auch in der Politik: wer bei der Technologie zu spät kommt, den bestraft das Leben. In der IT Provinz Deutschland scheint die Fähigkeit SMS zu verschicken, noch ausreichend für die IT Qualifikation als Kanzler zu sein.
Kategorien: Allgemeines
Einige Studenten der Hochschule der Medien, Stuttgart haben einen recht informativen Film über Aspekte des Web 2.0 gemacht und ins Web gestellt http://www.web2null-derfilm.de/. Interessant ist wie einige Studenten ohne großartige Finanzierung und Beteiligung von „Fachleuten“ einen informativen Film zu einem Innovationsthema zusammenstellen können, der sich sehr wohltuend z.B. von den Weihrauchschwaden Beiträgen im IT Gipfelblog abhebt. Da kann man sehen, wieviel Potential wir in Deutschland eigentlich haben, das von den „Entscheidungsträgern“ wenig genutzt wird.
Kategorien: Allgemeines
Mit der Globalisierung sind zunächst Arbeitsplätze in Niedriglohnländer gewandert. In USA wird aber bereits aktiv darüber nachgedacht wie auch hochwertige Forschungs- und Entwicklungsaufgaben nicht nur outgesourced (Open Innovation) sondern auch in Niedriglohnländer transferiert werden können und trotzdem die Profite in USA bleiben können. Als erfolgreiches Beispiel wird die Firma Seagate zitiert, die die Entdeckung der „Riesenmagnetoresistenz“ durch die Nobelpreisträger Albert Fert (Frankreich) und Peter Grünberg (Deutschland) in ihren Platten Produkten erfolgreich genutzt hat. In Deutschland und Frankreich wurde aus dieser Entdeckung hingegen kein Kapital geschlagen, da es überhaupt keine Hersteller von Magnetplatten in diesen Ländern mehr gibt. Das soll dann wohl ähnlich funktionieren wie bei der Bankenkrise, bei der die Banker anderer Länder begeistert ihr Geld in die USA zur Vernichtung abgegeben haben. So ähnlich ist es bei den Wissenschaftlern, die Stolz auf eine Einladung aus USA sind, wo sie gegen gutes Geld ihr Knowhow, das u.a. der deutsche Steuerzahler finanziert hat, transferieren dürfen.
Kategorien: Hardware · Politik
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Offensichtlich kann „weltweit führende“, deutsche Sicherheitstechnologie nur mit massiver Bestechung verkauft werden. Hier hat der Ehrgeiz der Siemens Manager um und mit Heinrich von Pierer, sich mit der neuen Technologie „Elekronischer Pass“ zu profilieren, wohl im Abseits geendet. Ein weiteres unrühmliches Kapitel der staatlich geförderten Sicherheitsmanie und unsinniger Technologieförderung!
Siehe auch: Schwarz-Rot-Goldfinger Schily Bundesruckerei und Goldfinger Schily
Kategorien: Hardware · Politik
Mit Tag(s) versehen: Ausweis, Bestechung, Elektronsicher Pass, RFID
IT Entwickler und Manager beziehen heute den Großteil ihrer Informationen aus dem Internet. Dabei gehen aber viele Informationen aus dem „Vor“-Web Zeitalter verloren. Seniormitarbeiter des IBM Entwicklungslabors Böblingen haben unter der organisatorischen Leitung des Laborgründers Prof. Karl Ganzhorn eine Buchreihe „Forschung und Entwicklung in der IBM Deutschland“ mit Beiträgen zur Hardware-, Software- und Service-Entwicklung im IBM Labor aufgelegt, die nicht nur die technische Entwicklung sondern auch die menschlichen und organisatorischen Hintergründe der Technologieentwicklung aufzeigen. Die Bände sind über das Haus zur Geschichte der IBM Datenverarbeitung erhältlich.
Im Band 6. IBM Informationstechnik für Banken und Sparkassen im 20. Jahrhundert findet sich das von E. Schabacker verfasste Kapitel 14 – Ordnungsprozesse in der deutschen Kreditwirtschaft. Hochaktuell wird darin beschrieben wie die Bankenkrise 1931 verursacht wurde – die Banken haben in großem Stil kurzfristige Gelder vorwiegend aus dem Ausland für langfristige Kredite verwendet. Als die kurzfristigen Kredite ausblieben ( Black Tuesday 1929 in USA) und teurer wurden brach das ganze Kartenhaus zusammen. Die Parallelen zur heutigen Bankenkrise, die durch faule Hypothekenkredite in USA ausgelöst wurde sind frappierend aber hoffentlich nicht so gravierend in der Auswirkung damals. Auch heute wurde mit kurzfristigem Geld eine langfristige Kugel gerollt. E. Schabacker beschreibt die verschiedenen Kontrollmechanismen die im deutschen Bankengewerbe vor allem mit Hilfe der IT eingeführt wurden, um solche Krisen zu vermeiden.
Ergänzt man diese Informationen mit den Mechanismen, die Banken benutzt haben, um diese Kontrollen vor allem mit Gründung von Subunternhmen im Ausland zu umgehen, so kann man direkt Handlungsanweisungen an die Bankenaufsicht ableiten. Die Banker haben durch immer neue „Produkte“ die Banken IT, die immer sehr konservativ war, abgehängt. Viele Institute haben dadurch überhaupt keine Kontrolle mehr über ihre Verbindlichkeiten gehabt, wenn auch nicht überall ein Schaden von 35 Milliarden € wie bei der Société Générale entstanden ist.
Die schnelle Entwicklung und der Einsatz flexibler Bankensoftware muss deshalb ein wesentlicher Teil der Strategie zur Kontrolle des Bankensektors und zur Wiederherstellung des Vertrauens sein. Die Besetzung der Aufsichtsräte durch „sachkundige“ Politiker wird da wohl weit weniger effektiv sein. Ob da wohl die Weichen in Politik und im Bankensektor schon richtig gestellt sind?
Kategorien: Historie · Politik · Software
Mit Tag(s) versehen: Aufsicht, Banken, Bundesbank, IT Geschichte, Krise
Die deutsche IT Politik ist kurzfristig auf Schaffung von Arbeitsplätzen vor allem in der Fertigungsindustrie ausgerichtet. Industrieansiedlung wird massiv gefördert. Kurze Zeit später stellt man dann aber fest, dass reine Werkbank-Industrien in Deutschland nicht profitabel betrieben werden können. Nach der Pleite mit der deutschen Mobilkommunikationsindustrie (Siemens, Alcatel), der Absiedlung des Montagewerks von Nokia in Düsseldorf wird als nächstes der Halbleiter „Leuchtturm“ Dresden geschleift werden, da die dortigen Betriebe zwar über sehr viel Know How in der Fertigung verfügen aber keine eigenen hochwertigen Produkte vermarkten. Leider ist es in der Halbleiterindustrie so, dass Werke nur begrenzt modernisiert werden können. Spätenstens bei der übernächsten Halbleitergeneration müssen völlig neue Werke mit neuen Reinsträumen und hohen Anforderung an Erschütterungsfreiheit gebaut werden. Bei Kosten für ein Werk > 5oo Millionen € überlegen sich die Investoren genau in welcher Region diese Werke errichtet werden.
Typisch ist, dass zur Zeir nur Bosch in ein neues hochmodernes Halbleiterwerk in Deutschland investiert. Bosch ist aber auf seinem Spezialgebiet Autoelektrik Weltmarktführer und sichert durch viel Aufwand in Forschung und Entwicklung sowie durch Schutz seiner Ideen in der eigenen Fertigung in Deutschland die Beschäftigung seiner Mitarbeiter.
Den Mitarbeitern in der Halbleiterindustrie in Dresden kann man nur raten sich rechtzeitig nach anderen Jobs umzusehen. Dabei kann man aus den Erfahrungen der Region Stuttgart/Böblingen lernen, in der zuerst die Fertigung von IT Geräten (IBM, HP) und danach auch die Halbleiterfertigung eingestellt wurde. Gehalten haben sich bis jetzt nur hochwertige Entwicklungstätigkeiten in der Hardware aber vor allem in der Software. Einen ähnlichen Weg wird man in Dresden wohl auch gehen müssen. Dies erfordert aber eine rechtzeitige Umstrukturierung in der Ausbildung und Forschung sowie ein Umdenken der Politiker, die am liebsten noch immer Spatenstiche für Neubauten als das wichtigste Fördermittel ansehen.
Kategorien: Hardware · Politik · Software
Mit Tag(s) versehen: Halbleiterindustrie, Standort Deuchland