Beiträge vom Dezember 2007
So langsam scheinen sich die Konsumenten durchzusetzen, die nicht bereit sind sich mit dem umständlichen und technisch nicht ausgereiftem Digital Rights Management herumzuschlagen. Wer würde schon ein Buch kaufen, das durch Kopierschutz unleserlich wird? Auch die Musikindustrie scheint langsam einzusehen, dass sie ihre guten Kunden nicht unter Generalverdacht stellen sollte. Im neuen MP3 Shop von Amazon gibt es jetzt Musik ohne Digital Rights Management – und der Laden läuft! Wie immer sind die deutschen Medien Lobbyisten, die sich bei der deutschen Politik für Digital Rights Management stark machen, etwas hinter der Zeit her.
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In Deutschland konzentriert sich die politische Förderung der IT ausschließlich auf die Förderung der Industrie. Dabei wird übersehen, dass letztendlich die Käufer von Software und Hardware entscheiden, wer am Markt erfolgreich ist. Hinzu kommt, dass der Markt der kommerzeillen Hardware und Software relativ klein ist und seit Jahren nicht mehr wächst. Traditionelle IT Firmen wie IBM und Oracle tauchen in der Liste der 400 erfolgreichsten Unternehmen von Forbes (Americas Best Big Companies)überhaupt nicht mehr auf! Die Neuerungen und das Wachstum der IT erfolgen im Consumer Segment mit Firmen wie Google und Apple, die Produkte für den Endverbraucher schaffen. Das war schon beim PC ähnlich, wiederholte sich beim Mobiltelefon und setzt sich jetzt bei Internet Services fort. Das größte Hindernis für den Erfolg deutscher IT Firmen ist nicht die mangelnde Finanzierung sondern die geringe Zahl von Kunden mit IT Bildung speziell in der Zielgruppe über 40 Jahren. Apple zeigt in USA eindrucksvoll wie man an diese Zielgruppe herankommt, indem in den neuen Apple Läden nicht nur Produkte verkauft sondern Kunden wirklich beraten werden – sogar vertiefende Schnellkurse werden in den Läden angeboten! Mit einer „Geiz ist geil“ Initiative kann man offensichtlich anspruchsvolle Produkte nicht an die Endverbraucher verkaufen. Das zeigt sich auch bei der Telekom, die den Erfolg des iPhones in USA nicht wiederholen kann, da die zahlungskräftige Käuferschicht in Deutschland ohne Services nicht adressiert werden kann.
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Realistisch betrachtet, steckt das Internet für das Handy noch immer in den Kinderschuhen,. Was zur Zeit in Deutschland von Telekom, Vodafone, O2 usw angeboten wird, ist für den Endverbraucher praktisch nicht nutzbar. Dadurch dass der Mobilfunkanbieter mit der installierten Software auch definiert welche Anwendungen auf dem Handy laufen, wird der Fortschritt systematisch verhindert. Ähnlich wäre es wenn der DSL Anbieter z.B. Telekom bestimmen würde, welche Programme auf ihrem PC laufen. PC und Internet haben überzeugend bewiesen, dass man durch offene Systeme wesentlich bessere Lösungen erhält als durch geschlossene von einigen Anbietern dominierte Systeme. Bei den Handys fehlt zur Zeit sowohl ein offener Hardware Standard (ähnlich PC) als auch eine offener Zugang zum Netz (ähnlich DSL und WLAN). Obwohl Europa zurecht behaupten kann, das Urspungsland des Mobilfunks in der heutigen Form zu sein, ist man gerade dabei, diesen Vorsprung zu verlieren. Google treibt mit massiver Unterstützung der Regierung in USA sowohl einen offenen Hardware Standard als auch einen offenen Zugang zum mobilen Internet voran, das in Zukunft zur dominierenden Schnittstelle zum Internet werden wird – schon weil in weiten Teilen von Ländern Ländern wie China, Indien u.a. gar keine Festnetzinfrastruktur aufgebaut wird.
Die deutschen Hersteller von Hardware, Software und Netzwerkdiensten spielen bei dieser nächsten Welle der Internetnutzung keine Rolle. Die Strategie, den Kunden durch Monopolstellung im Netz an der Beteiligung von dieser neuen Internet Welt auszuschließen, wird wohl kaum aufgehen. Europa hat zwar die Standards auf der physikalischen und Protokoll-Ebenen des Mobilfunks geschaffen, hat aber keine Organisation, die eine Standardisierung auf den höheren Ebenen definieren oder durchsetzen könnte. Überträgt man dies z.B. auf die Automobilindustrie so würde Europa die Motoren bauen – die Autos kämen aber aus USA. Wer wollte das schon?
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Obwohl sich Experten längst einig sind wie Wahlmaschinen aussehen sollten, wird auch in Deutschland immer wieder versucht neuartige unsinnige Verfahren einzuführen. Das System in Ohio, das mit Touch Screens arbeitet ist offensichtlich äußerst unsicher und ist für geordnete Präsidentschaftswahl 2008 nicht geeignet. Das einzig sichere elektronische Wahlverfahren benutzt wie heute vom Wähler mit der Hand ausgefüllte Wahlzettel, die anschließend gescannt und automatisch ausgewertet werden. Damit muss sich der Wähler nicht umstellen und die Originalwahlzettel können für Stichproben und Revisionen verwendet werden. Dieses Verfahren funktioniert in Deutschland zuverlässig jede Woche für Millionen von Lottozetteln. Das Verfahren ist auch extrem billig, da ausser den Scannern Standard PCs verwendet werden können. Es ist unverständlich warum es Lobbyisten immer wieder gelingt teurere und unzuverlässigere Wahlverfahren zu platzieren. Siehe auch Wahlmaschinen und Wahlmanipulation
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Opera aus Norwegen ist eine der wenigen kleinen Firmen (60 Millionen € Umsatz), die sich trauen im wichtigen Feld der Browser gegen Microsoft anzutreten. Nun hat Microsoft eine Klage bei der EU gegen das Bundling des Internet Explorers mit Windows eingereicht. Sicher zu Recht, da der Browser als Zugang zum Internet wesentlich wichtiger als z.B. der Media Player (Microsoft Marktanteil „nur“ 50%) ist. Opera greift dabei Microsoft sehr erfolgreich mit dem Opera Mini Browser für Handys an, den man sich frei vom Opera Server laden kann. Microsoft hat dagegen nur einen „Technology Preview“ Browser Deepfish aufzubieten, der in einem Marketing Video von einem „Experten“, der wohl noch nie einen mobilen Browser gesehen hat, bewundert wird. Der Browser arbeitet verdächtig ähnlich wie der Opera Mobile Browser und wurde von Microsoft für neue Benutzer gesperrt.
Bemerkenswert ist, dass eine kleine europäische Firma bei einer Internet Schlüsseltechnologie durchaus mit Microsoft in Wettbewerb treten kann. In Deutschland würde sich das niemand trauen, obwohl wir sicher auch genügend pfiffige Softwareentwickler im Land haben.
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USA ist nach wie vor das Land der Kreditkarten. Für die Käufer und die Händler ist das aber ein relativ teures Verfahren. Ein neues Bezahlsystem Bill me later ist eine Kombination von Kredit- und Lastschriftverfahren. Anders als bei Kreditkarten wird beim Zahlvorgang Online geprüft ob die Zahlung gedeckt ist. Dadurch und durch alleinigen Vertrieb und Betrieb über das Internet werden die Kosten sowohl für die Käufer als auch für die Händler signifikant reduziert. Bei diesem System werden keinerlei Karten verwendet, die im Internet sowieso nicht gelesen werden können. Eine relativ einfache Identifikation des Kunden über Auszüge aus Ausweisdaten ist ausreichend. Der Händler und der Käufer werden durch das Verfahren total von ihrer Bank entkoppelt, sodass man das Verfahren auch international anwenden kann.
Das ist ein schönes Beispiel, dass man durch Einsatz des Internets selbst so eingefahrene Geschäftsbereiche wie das Zahlungssystem verbessern kann.
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Al Gore hat wohl zu Recht den Friedensnobelpreis erhalten. Es ist schon eine großartige Leistung, die Öffentlichkeit in den USA gegen die herrschende Volksmeinung, Politik und Medienlandschaft zu einem Umdenken in der Klimafrage zu bewegen. Weniger bekannt ist, dass Al Gore nach Aussage der Internetveteranen eine ganz entscheidende Rolle beim Übergang der Internet Technologie von den Labors der Wissenschaftler in die Business Welt gespielt hat. Die politische Unterstützung von Al Gore war entscheidend, um zum einen die Regierungsstellen und zum anderen einen der IT Marktführer (IBM) zu bewegen, die neue Technologie zu unterstützen. Das wäre sicher auch einen Friedensnobelpreis wert! Interessant ist dabei, dass eigentlich nur IBM Research und einige technische Führungskräfte in der IBM die Internetbewegung unterstützt haben, während die „Business“ Leute ihre proprietäre SNA Architektur verteidigt haben. Das ging sogar soweit, dass Mitarbeiter Reiseanträge fälschen mussten, wenn sie zu einem der technischen Meetings in USA reisen wollten. Entscheidend war aber dabei, dass Al Gore die Firmenspitze soweit beeinflußt hat, dass die „subversiven Tätigkeiten“ in der IBM wenigstens in Teilen der Organisation geduldet wurden.
Nach Aussage der Wissenschaftler war es aber extrem wichtig, dass ein kommerziell und technisch fähiger Marktführer in die Aktivitäten eingebunden wurde, weil sonst das Projekt von den übermächtigen Kommunikationsfirmen in den USA gestoppt worden wäre.
Al Gore hat sich mit dieser Aktion ein extrem gutes Renommee bei Wissenschaftlern und den IT Firmen der USA verschafft. Das ist die Grundlage für die ausgezeichnete Unterstützung seiner Klima Initiative in der amerikanischen Web 2.0 Gemeinde, die letzendlich auch zum Einschwenken der Politiker geführt hat. Al Gore hat sich ähnlich wie moderne Unternehmensführer von Microsoft, Google usw ganz auf die eigene Führungsstärke verlassen und nicht versucht, seine Parteibasis zu überzeugen.
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Der Artikel in der New York Times beschreibt sehr schön wie die „Macher“ der amerikanischen Präsidentenwahlen ihren einst dominierenden Einfluss über Zeitungen, TV und Radio auf die Wähler durch die Web User verlieren. Deutschland ist von solchen Verhältnissen noch meilenweit entfernt. Die Ängste der Politiker und Meinungsmacher sind aber bereits zu spüren, da der Machtanspruch der politischen Parteien durch Mitgliederzahl, Fachkenntnisse, Moral oder überzeugende Führung nicht mehr als legitim angesehen wird.
Kategorien: Politik
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Der zweite nationale IT Gipfel fand heute mit großem Getöse statt. Auch Frau Merkel umgibt sich gerne mit den bewährten Schlachtrössern der deutschen IT Industrie, die in der Vergangenheit schon jede Schlacht auf dem IT Feld verloren haben (die Herren von SAP seien explizit ausgenommen). Selbst der neue BITKOM Präsident Scheer, der wahrscheilich als einziger versteht wie Innovation in der IT funktioniert, blieb mit seinem Ruf nach kleineren Schnellbooten ungehört. Trotz der zum Teil lebhaften Diskussion nach dem ersten IT Gipfel fahren die Schlachschiffe „Suchmaschinentechnologie – Theseus“, „Biometrie, RFID, Gesundheitskarte, Digitaler Personalausweis“ (Die Hobbies des ehemaligen Chefs von G+D, Herrn Berchtold) , „Digital Rights Management“ usw weiter ungebremst auf die Klippen des IT Marktes zu. Dabei spielen führende „IT Firmen“ wie Siemens, das sogar seine embbedded Entwicklung nach Finnland ausgelagert hat und eigentlich keine IT Firma mehr ist, nach wie vor eine Geld wegtragende Hauptrolle. Die „Leuchttürme“ werden da wenig nützen – eine Umstellung auf GPS wäre dringend zu empfehlen. Konsequenterweise wurden auch keine Bürger, die letzendlich all die Forschung und die neuen IT Dienste bezahlen sollen, und auch keine Datenschützer zum Gipfel geladen.
Interessant ist auch wie die Politik mit der Diskussion in der Öffentlichkeit umgeht. So wurde vom IT Gipfelblog Veranstalter dem Hasso Plattner Institut eigens ein IT Gipfelblog recht professionell etabliert, in den zumindest einige der Arbeitsgruppenleiter wenigstens einen Beitrag ex cathedra geschrieben haben. Alle Politiker und auch die Ministerialbürokraten haben sich aber in Deckung gehalten. Kein Einziger der für die Strategiepapiere des Ministeriums Verantwortlichen hat sich je an den Diskussionen beteiligt. Das ist auch nicht verwunderlich, da ja in den Ministerien schon der Gedanke einige Sätze für die Öffentlichkeit zu produzieren, vorab auf dem Dienstweg genehmigt werden muss. Da hat Herr Obermann, der als einziger vom Web 2.0 Kenntnis zu nehmen scheint, noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Mit dem Spruch “Außer Spesen nichts gewesen“ kann man den IT Gipfel leider nicht abhaken, da die wenigen für die IT Förderung vorhanden Mittel leider wieder in hoffnungslose Großprojekte gesteckt werden. Herr Scheer, der neue Bitkom Präsident, hat da noch viel zu tun, damit die Kinder, deren Geburt jetzt mit 4 Milliarden Elterngeld vergoldet wird, auch eine Zukunft in Deutschland haben. Vom neuen CIO (Jurist und Schwangerschaftsvertreter) der Bundesrepublik Deutschland kann er wohl wenig Hilfe erhalten.
Man kann als Verbraucher schon fast dankbar sein, dass die Entwicklung der IT Industrie kaum von diesen deutschen Strategien beeinflusst wird. George Bush kann wenigstens an der IT Front großartige Siege vermelden. Sein Geheimis ist, dass er sich um die IT Industrie in USA nicht kümmert und sie dem freien Wettbewerb überläßt. Diese Strategie könnte man der Kanzlerin auch empfehlen.
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