Beiträge vom Oktober 2007
Die Bitkom hat mal wieder eine positive Meinungsumfrage zum Thema elektronische Gesundheitskarte produziert. Neuer Einführungstermin soll jetzt 2008 sein obwohl nach wie vor keine erfolgreichen Tests mit größeren Gruppen durchgeführt werden konnten. Wenn man den Bundesbürgern nicht sagt, wie das ganze funktionieren soll und wird, stehe sie den Funktionen einer Gesundheitskarte recht positiv gegenüber. Im praktischen Betrieb sieht es ganz anders aus. Das komplizierte Sicherheitsmanagement, ohne Möglichkeit für den Patienten seine Daten zu Hause Online in Ruhe zu überprüfen, ist für die Praxis völlig untauglich. Die vorgeschlagene Technologie ist inzwischen veraltet. Die verwendete serielle Chipkartenschnittstelle ist viel zu langsam für die Übertragung selbst kleiner Datensätze. Der neue Bitkom Präsident Scheer ist schlecht beraten, wenn er die von seinem Vorgänger Berchtolf gestartetete Lobby Arbeit ohne Prüfung weiter führt.
Google, Microsoft und Co werden der deutschen Chipkarten Lobby wohl zeigen, wie man es Online weltweit richtig macht.
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Es ist eine alte Forscher- aber auch Ingenieursregel, dass nur der Erfolg im Beruf haben kann, der seine Erkenntnisse auch dokumentiert und anderen zur Verfügung stellt. Wer z.B. die Spezifikation für ein System erstellt, hat entscheidenden Einfluss auf den Entwurf und spielt auch bei der Implemetierung eine Schlüsselrolle, da die Spezifikatio nie komplett sein kann und interpretiert werden muss.
Im Web 2.0 Zeitalter müssen viel mehr Menschen als heute Inhalte generieren und dokumentieren. Viele (speziell Ingenieure und Informatiker) haben das aber weder in der Schule noch an der Unversität gelernt und können damit nur eine passive, untergeordnete Rolle im Betrieb und auch in der Gesellschaft einnehmen. Adieu Karriere!
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Studs Terkel von der New York Times gibt einen schönen historischen Überblick, wie in den USA die Rechte des Bürgers unter verschiedenen Vorwänden (Kommunismus (McCarty, Terror usw) ausgehöhlt und mißbraucht wurden. In den USA ist man sogar soweit, dass man den Telekommunikationsunternehmen einen rechtlichen Freibrief erstellt, falls sie auf Aufforderung des FBI Informationen gegen geltendes Recht zur Verfügung stellen. Ein ähnliches Gesetz gibt es auch für die amerikanischen Söldner im Irak!
In der Bundesrepublik regt sich im Moment über die Erosion der Privatsphäre und der Bürgerrechte niemand auf, weil man die NS Zeit mit der totalen Überwachung der Bürger einfach vergessen möchte. Die Bürger sollten es aber trotzdem den Politikern nicht zu leicht machen, das System zu mißbrauchen. Die bewährte Gewaltenteilung in Politik und Justiz sollte auch bei der Erfassung von persönlichen Daten zur Verbrechensbekämpfung erhalten bleiben. Es ist in der Bundesrepublik kein Fall bekannt, bei der die Justiz bei hinreichendem Verdacht, notwendige Überwachungsmaßnahmen nicht genehmigt hätte.
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Mit einem Wachstum von 67% bei Mac im stagnierenden PC Markt zeigt Apple eindrucksvoll, wie man durch innovative Produkte auch den Verkauf von konventionellen Produkten ankurbeln kann. Ähnlich haben früher IBM mit dem IBM PC oder Sony ihr Markenimage entscheidend aufpoliert. Bei der Reduktion auf das Kerngeschäft fehlt eben das Fruchtfleisch, das den Kern nährt (um beim Bild zu bleiben). Mal abwarten wie lange die einschlägigen Consuktant Firmen brauchen, um den neuen Trend zu vermarkten. Hier gilt aber sicher der neue Spruch aus einer IBM Werbung“ Nicht reden – sondern machen“.
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In großen Marketingoffensiven versuchen sowohl Microsoft als auch Google Inhalte von Bibliotheken exclusiv zu speichern, indem sie wichtigen Bibliotheken anbieten, Bücher kostenfrei zu scannen. Die Verträge sehen allerdings vor, dass diese Inhalte dann nur noch exclusiv von Google oder Microsoft indiziert und gesucht werden dürfen. Die amerikanischen Universitäten scheinen noch nicht auf diese Offerte einzugehen und bevorzugen einen offenen Zugang mit Open Content Alliance um den freien Zugang zu Informationen zu garantieren. Das kostet natürlich Geld. Wenn der Staat nicht rechtzeitig gegensteuert werden wohl ärmere Bibliotheken den Verlockungen von Google und Microsoft erliegen. In Deutschland ist die universitäre Bibliohekslandschaft total zersplittert und wenig vorbereitet auf die Anforderungen des digitalen Zeitalters. Da lohnt es sich mal die Koopeationen der amerikanischen Eliteuniversitäten anzusehen.
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Auch bei der neuesten Runde der Exzellenzinitiative der Universitäten hat sich keine Universität mit einem Informatik Schwerpunkt durchsetzen können. Das kann daran liegen, dass es wirklich keine exzellente Informatik Universität in Deutschland gibt oder dass bereits die Ausschreibung des Forschungsministeriums in Zusammenarbeit mit DFG u.a. die Ergebnisse bereits vorbestimmt hat. Informatik wird allenfalls als Hilfswissenschaft für die „richtige“ Forschung in Medizin, Physik und Chemie gefördert. Die Informatiker sollten sich aber nicht zu sehr grämen. Die ausgelobten Zuschüsse das Bundes sind im internationalen Massstab eher Almosen (damit es nach mehr aussieht wird die Summe der Ausgaben in 5 Jahren angegeben und damit die nächste Bundesregierung entmachtet). Die Exzellenz Universitäten erhalten etwa 21 Millionen € im Jahr – damit kann man allenfalls die Not an den Universitäten lindern! Daneben werden Trostpflaster „Exzellenz Cluster“ und „Graduiertenschulen“ verteilt, sodaß es in der Presse nur so von Siegern wimmelt. Forschungsministerin Frau Schavan will damit Wissenschaftsgeschichte in Deutschland schreiben. Die von Politik und den etablierten Forschungsorganisationen geforderten komplexen Strukturen bringen hoffentlich einige subventionierte und zeitlich begrenzte Arbeitsplätze für Jungakademiker bieten aber ansonsten den „G’schaftlhubern“ im Wissenschaftsbetrieb ein ideales Betätigungsfeld in vielfältigen Gremien. Allein die Vorbereitung der Anträge hat wohl pro Uni 20 Mannjahre gekostet. Wer sich mit „Qualität in der Wissenschaft“ oder mit „Zukunftstrukturen“ beschäftigt, hat es wohl aufgegeben, auf seinem Fachgebiet zu konkurrieren. Herausragende Forscher, die nicht im Hauptstrom des Wissenschaftsbetriebs schwimmen wie die neuen Nobelpreisträger Ertl und Grüning, hätten sich in einem solchen Meer von Exzellenz und Exzellenz Clustern wohl nicht durchsetzen können und wollen.
Kategorien: Politik
Eine sinnvolle Nutzung von Services im Netz benötigt eine Sicherheitsinfrastruktur für die Identifizierung der Benutzer. Heute muss man sich eine Vielzahl von Passworten merken, wenn man verschiedene Dienste im Internet nutzen will. Nachdem Microsoft schon mit einigen Versuchen gescheitert ist, bei denen die Benutzerdaten zentral von Microsoft verwaltet wurden (MS Passport), versucht man nun ein einheitliches von Microsoft beherrschtes Schema „Windows Card Space“ ,bei dem aber die Daten auf dem PC unter Kontrolle des Benutzers gespeichert werden, zu etablieren. Die Information Card im Card Space ist dabei die Eintrittskarte des Benutzers zu Webservices von verschiedenen Anbietern. Das Modell entspricht ziemlich genau der von mir seit langem geforderten Sicherheitsarchitektur „Personal Data Environment“. Die Zertifikate des Dienstanbieters und der Benutzer werden bei CardSpace nur um einige Webservice Metadaten erweitert. Da aber nur wenige Server im Web Microsoft Technologie nutzen, versucht man die PHP Programmierer für den Microsoft Standard zu gewinnen. Dies ist sicher ein weiterer Schlag gegen die deutsche Digitale Signatur Euphorie. Die Benutzer wollen eben keine Formulare im Web ausfüllen und unterschreiben, sondern lieber Online arbeiten, wie sie es im Web und in der Firma gewohnt sind.
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Peter Grünberg hat zusammen mit dem Franzosen Albert Fert den Nobelpreis für Physik erhalten. Damit wurde eine der wichtigsten Erfindungen für die Erhöhung der Speicherdichte von PC Platten honoriert. Ein schöner Erfolg für den in Tschechien geborenen deutschen Wissenschaftler. Der Engländer Stuart Parkin, der im IBM Research Labor in Almaden, Californien arbeitet, wurde leider nicht berücksichtigt obwohl er es war, der mit vielen Erfindungen die wirtschaftlichen Herstellung von Platten mit der neuen Technologie ermöglicht hat. In den Zeitungsberichten z.B. der Stuttgarter Zeitung wird berichtet, dass Patentgebühren von Plattenherstellern unter anderem auch von IBM bezahlt werden. Das stimmt aber nicht, da IBM bereits 2002 seine gesamte Plattenproduktion und die Patentrechte an Hitachi für 2 Milliarden $ verkauft hat.
Das zeigt einmal mehr, dass Grundlagenforschung als Wert in sich gesehen werden muss und nicht als Anfang einer riesigen industriellen Wertschöpfungskette, wie das die Politik so gerne sieht. Die herausragenden Leistungen werden auch immer von Einzelnen mit ihrem Team und nicht durch Großorganisationen erzielt.
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Google und IBM investieren zusammen mit 5 Universitäten in USA in Cloud Computing, das ist die Infrastruktur mit Tausenden von Rechnern, die benötigt wird, um große Internet Anwendungen zu betreiben. Diese Infrastruktur, ist wesentlich komplexer als die der sogenannten Supercomputer , die in der Regel nur von und für Spezialisten benutzt wird. Cloud Computing ist aber die Infrastruktur, die man für große Internet Services benötigt. In Deutschland findet man fast keine Informatiker an den Universitäten, die sich mit dem zuverlässigen Betrieb von großen Cluster Systemen auskennen. Selbst Kenntnisse über die Organsation und den Betrieb von kleinen, ausfallsicheren Internet Clustern wird man selten finden. Die meisten Institute haben bereits für größere Hardwareinstallationen kein Geld und schon gar nicht die Mittel um ständiges Personal zu bezahlen. Ein weiteres wichtiges Gebiet der IT, das in Deutschland whl verschlafen wurde.
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Während der letzte traditionelle deutsche Halbleiterhersteller so langsam seinen Betrieb einstellt, investiert Bosch in ein neues Halbleiterwerk 600 Millionen € im schwäbischen Reutlingen. Bosch hat erkannt, dass das Know How der Firma immer mehr in den elektronischen Baugruppen verborgen ist. Durch eigene Fertigung der speziellen Bauteile für das Automobil schützt sich Bosch vor Plagiaten und verteidigt seine führende Stellung im Weltmarkt. Ein deutliches Beispiel wie langfristiges strategisches Denken und Handeln auch heute noch erfolgreich ist. Der alte Bosch hätte seine Freude daran gehabt.
Lesenswert für alle Jungmanager das Buch von Theodor Heuss - Robert Bosch: Leben und Leistung
Aktuelle Frage: Welcher deutsche Manager schreibt – Gut leben ohne Leistung ?
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