Nachdem so ziemlich alle Projekte der Regierung mit Sicherheitsrelevanz (Gesundheitskarte, Pass, Ausweis, Elena) entweder gescheitert oder dem Bürger nur zusätzliche Kosten gebracht haben, hat sich die deutsche IT Sicherheitsbranche wieder was Neues ausgedacht – De-Mail zum rechtssicheren und vertraulichen Austauch von elektronischen Dokumenten. Das ist genau was der Internet Gesellschaft noch gefehlt hat, die bisher problemlos Milliarden von elektronischenen Mails und Rechnungen ohne Einmischung von Bürokraten und selbst ernannten Kontrolleuren versendet und empfangen haben. Firmen und Privatpersonen, die vertrauliche Informationen austauschen wollen, können das heute mit Standardsoftware, auf die kein Auge der BSI gefallen ist, problemlos tun. Dabei wird die Nachricht beim Absender verschlüsselt und beim Empfänger entschlüsselt. Hierfür muss man als Absender auf den öffenlichen Schlüssel des Empfängers zugreifen. Das ist inder Regel kein Problem, da sich die Zahl der Personen und Firmen mit denen man vertrauliche Nachrichten austauscht, in Grenzen hält. Firmen, die aber vertrauliche eMail an sehr viele Kunden verschicken wollen, haben aber ein Problem, da sie den öffentlichen Schlüssel der Kunden kennen müssen. Um dieses Problem bei De-Mail bei De-Mail zu vermeiden, wird die Firmenpost an den De-Mail Betreiber (z.B. Deutsche Post) mit dem öffentlichen Schlüssel des De-Mail Betreibers verschlüsselt, anschließend mit dem geheimen Schlüssel des DE-Mail Betreibers entschlüsselt und mit dem öffentlichen Schlüssel des Kunden verschlüsselt und dem Kunden zugeschickt. Für Firmen und Kunden hat das den Vorteil, dass sie nur den öffentlichen Schlüssel des De-Mail Anbieters kennen müssen. Dafür sind sie aber komplette von dem De-Mail Anbieter abhängig und müssen sich darauf verlassen, dass ihre eMail wirklich vertraulich behandelt wird. Das ist aber kein wesentlicher Unterschied zum heutigen Verfahren, bei dem die Vertraulichkeit durch den eMail Anbieter gewährleisttet wird. Das versprochene Plus der “Rechtswirksamkeit” ist aber ein Danaer Geschenk.
Wie immer, bei von oben initiierten Programmen, hat man die Vorteile für die Bürger schlichtweg vergessen. Dadurch gibt es auch zum Glück keine langfrisitge Finanzierung für das Projekt. Nur ein völlig bescheuerter Bürger wird sich bei einem De_Mail Anbieter registrieren lassen, damit ihm jeder Internetgauner “rechtswirksame” Rechnungen und Mahnungen ohne Portokosten zuschicken kann. Beim Faldversuch in Friedrichshafen, wurde z.B. die gesicherte Zusendung des monatlichen Gehaltszettels als Schlüsselanwendung erprobt. Ich frage mich, wie die Gehaltszettel bisher verteilt werden. Eine sinnvolle Funktion wäre die rechtmäßige Kündigung von im Internet abgeschlossenen Verträgen. Dafür muss man meist heute noch einen Papierbrief schreiben. Das dient aber nicht der Rechtssicherheit sondern ist ein Trick der Industrie, die Kündigung für die Verbraucher zu erschweren. (Nichts läßt sich leichter fälschen als der Absender un die Unterschrift bei einem Brief!) Hier müsste man einfach eine Verbraucherschutz Klausel erlassen, dass jeder Vertrag, der im Internet mit einem simplen Mausklich geschlossen werden kann, auch im Internet gekündigt werden kann.
Rechtssicher sind Dokumente eigentlich nur, wenn sie von einem amtlichen Notar beglaubigt werden. Wer’s nicht glaubt kann sich die vielen Gerichtsprotokolle ansehen, bei denen es um gefälschte Dokumente und gefälschte Unterschriften geht. Auch das Briefgeheimnis ist eine Fiktion, wenn schlechtbezahlte “Postboten” die Post in Abfallbehältern entsorgen oder Landtagsabgeordnete in Baden-Württemberg ihre vertrauliche Post nach dem Lesen in einen Papiercontainer auf die Straße stellen. Schon im Altertum und im Mittelalter wurden Briefsiegel gebrochen und wieder repariert – besonders die Klöster haben da exzellente Technologie entwickelt.
Das Interesse der Betriebe an De-Mail wird sich wohl auch in Grenzen halten, da sie ja auch heute problemlos im In- und Ausland mit beliebiger Sicherheitsstufe und ihrer Standard Email Software (Microsoft Exchange, Thunderbird u.a.) können. Damit wird wohl die De-Mail wie ähnliche Projekte, nachdem die Forschungsgelder ausgegeben wurden, in der Versenkung verschwinden. RIP
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